In den ersten 6 Lebensjahren wird der Grundstein für das eigene Selbstwertgefühl gelegt. Erfahrungen in diesem Alter sind sehr prägend. Während in jungen Jahren noch die Eltern hauptverantwortlich sind, ihrem Kind ein gesundes Selbstwertgefühl mit auf den Weg zu geben, sind es später auch Erziehungsberechtigte oder Lehrer, die dafür sorgen müssen, dass das Selbstbewusstsein von Kindern gestärkt wird. Kinder, die häufig kritisiert werden, unter Hänseleien leiden oder es ihren Eltern nie recht machen können, sind schon in jungen Jahren gefährdet, einen geringen Selbstwert zu entwickeln. Umso wichtiger ist es daher,  sich der eigenen Rolle in der Erziehung bewusst zu werden und das Selbstbewusstsein beim Kind zu stärken.

Wenn es Kindern nicht gut geht, leiden auch die Eltern. Man fragt sich, wie man seinem Kind helfen kann, Selbstvertrauen zu gewinnen und sein Selbstbewusstsein zu stärken, wenn es durch schwere Phasen geht und zum Beispiel unter Mobbing leidet. Mobbing bei Kindern kann schnell dazu führen, dass sich weitere Probleme wie Schulverweigerung und Angst entwickeln. Das Kind zweifelt an seinem Selbstwert, ist unglücklich und in sich gekehrt, fühlt sich klein und schämt sich vielleicht sogar. Hier sollte man als Elternteil eingreifen. Viele Erwachsene wissen jedoch gar nicht, wie sie helfen können.  Zunächst einmal ist es wichtig, die Situation richtig einzuschätzen.

Wie du heraus findest, ob dein Kind Selbstwertprobleme hat

Nicht alle Kinder reden offen darüber, wenn sie von Mitschülern oder anderen Kindern gehänselt werden oder ein anderes Problem haben. Viele Kinder möchten ihre Eltern nicht belasten oder schämen sich für ihre Situation. Auch wenn im Elternhaus viel Streit herrscht, wird häufig übersehen, wie sehr ein Kind unter der Situation leidet. Hier gilt es, als Elternteil besonders aufmerksam zu sein. Typische Zeichen für ein geringes Selbstwertgefühl können z.B. sein:

  • das Kind macht sich selber klein, redet geringschätzig von sich und traut sich selbst nicht viel zu („Das kann ich sowieso nicht“)
  • das Kind meidet neue Situationen und entwickelt eher Angst als Neugier
  • das Kind vergleicht sich häufig mit anderen Kindern oder will jemand anderes sein
  • das Kind geht nicht gerne in die Schule / in den Kindergarten
  • das Kind ist schnell frustriert, gereizt und gibt leicht auf
  • das Kind meidet soziale Kontakte mit Gleichaltrigen
  • das Kind sucht viel Bestätigung und Zuneigung
  • das Kind ist auffällig oft traurig
  • das Kind ist extrem schüchtern

Wenn dir auffällt, dass dein Kind einige oder gar viele der genannten Symptome zeigt, ist es wichtig, zu handeln. Das Kind benötigt jetzt deine Aufmerksamkeit und Hilfe.

10 Wege, um das Selbstbewusstsein beim Kind zu stärken

 

1. Beginne bei dir selbst

Mach dir bewusst, dass du das Vorbild deines Kindes bist. Es liebt dich bedingungslos und schaut zu dir auf und es wird unbewusst übernehmen, was du ihm vorlebst. Wenn du zum Beispiel selbst jemand bist, der schnell aufgibt, kannst du deinem Kind kein Durchhaltevermögen beibringen. Wenn du schnell frustriert und gereizt reagierst, kann auch dein Kind nicht lernen, anständig mit Niederlagen umzugehen.  Dein Kind ist schlau und bekommt viel mehr mit, als du denkst. Also versuch, an dir selbst zu arbeiten, damit dein Kind ein positives Vorbild hat.

2. Zeig Interesse an deinem Kind

Jedes Kind braucht Anerkennung und lobende Worte, damit es Selbstbewusstsein entwickelt. Frag es, wie sein Tag war,  was es in der Schule erlebt hat. Auch, wenn dein Kind genervt von deinen Fragen ist, wird es trotzdem bemerken, dass du Interesse an ihm hast. Nichts ist schlimmer, als wenn ein Kind das Gefühl hat, dass seine Eltern sich nicht interessieren. Lob dein Kind, wenn es sich bei etwas Mühe gegeben hat, selbst wenn nicht das erwartete Ergebnis dabei rauskommt. Es ist wichtig, Lob nicht nur bei Erfolg auszusprechen, denn das kann dazu führen, dass sich bei dem Kind Druck aufbaut, Erwartungen erfüllen zu müssen.

3. Ermuntere dein Kind, neue Dinge auszuprobieren

Kinder brauchen Impulse von außen, gerade wenn sie sich selbst unsicher fühlen. Ermutige dein Kind dazu, neue Dinge auszuprobieren, zum Beispiel eine Sportart, ein Musikinstrument zu lernen oder den Beitritt in einen Verein. Es können auch banalere Dinge sein, zum Beispiel ein tolles Lego-Haus zu bauen oder ein bestimmtes Bild zu malen. Signalisiere deinem Kind, dass du immer da bist und hinter ihm stehst und dass es sich bei Hilfe jederzeit an dich wenden kann. Wenn dein Kind an sich zweifelt, biete ihm Unterstützung an und sorge dafür, dass es sich nicht alleine gelassen fühlt.

4. Sei vorsichtig mit Kritik

Auch ein Kind macht mal etwas falsch und kann seine Eltern gelegentlich zur Weißglut bringen. Es ist jedoch wichtig, nie direkte Kritik an der Person deines Kindes zu äußern, sondern immer nur sein Verhalten zu ermahnen. Das Kind muss das Gefühl haben, dass du es trotzdem noch lieb hast, auch wenn es einen Fehler gemacht hat. Oft macht es Sinn, eine Kritik mit etwas positiven zu kombinieren, zum Beispiel: Ich hab dich lieb, aber ich muss mich konzentrieren, also hör bitte auf mich zu nerven.

5. Sprich mit deinem Kind über seine Gefühle

Ein Kind muss lernen, dass Gefühle beeinflussbar sind und sich ändern können. Sprich mit deinem Kind darüber, wie es sich fühlt, wenn du merkst, dass es etwas beschäftigt oder traurig ist. Deinem Kind muss klar werden, dass negative Gefühle vergehen können, nicht nur in der Zukunft, sondern auch in dem Moment. Man kann das Kind zum Beispiel darin bestärken, an etwas schönes zu denken oder an eine Situation erinnern, in der das Kind ein Erfolgserlebnis hatte. So wird dem Kind klar, dass es seinen Gefühlen nicht hilflos ausgeliefert ist.

6. Sei konsequent in deinen Regeln

Kleine Kinder weinen, wenn sie nicht bekommen, was sie haben möchten. Trotzdem muss man ihnen beibringen, dass das Spielzeug am Abendbrottisch nichts zu suchen hat, denn von alleine wissen sie nicht, was richtig und was falsch ist. Ist das Spielzeug jedoch an einem Tag erlaubt und am nächsten wieder verboten, erzeugt das Unsicherheit. Kinder brauchen klare Regeln, an denen sie sich orientieren können. Dein Kind übernimmt, was du ihm vorlebst. Strukturen verschaffen Klarheit, die deinem Kind helfen können, sich zurecht zu finden. Das erzeugt ein sicheres Umfeld, in dem sich ein Kind gesund entwickeln kann und versteht, dass gewisse Dinge oder Taten zu Kritik führen. Damit davon das Selbstwertgefühl nicht angegriffen wird, ist es wichtig, von Anfang an konsequent zu bleiben.

7. Gib deinem Kind emotionale Wärme

Zeige deinem Kind, dass du es lieb hast und akzeptierst, wie es ist und geize nicht damit, es in den Arm zu nehmen oder liebevolle Gesten auszuüben. Neben der körperlichen Wärme können auch Worte Balsam für die Seele sein. Also gib deinem Kind das Gefühl, geliebt und gewollt zu sein, auch, wenn es mal einen schlechten Tag hat.

8. Vermeide, dein Kind mit anderen zu vergleichen

Gerade, wenn es Geschwister in der Familie gibt, kann es immer mal wieder zur Eifersucht kommen. Schüre diese nicht auch noch, indem du eines deiner Kinder darauf aufmerksam machst, wie toll sein Bruder oder seine Schwester etwas schon kann. Auch der Vergleich mit Nachbarskindern oder Schulkameraden ist nicht gerade hilfreich. Kein Kind hört gerne, dass ein anderes Kind etwas schon besser kann, als es selbst. Vermittele deinem Kind stattdessen, einzigartig zu sein und hebe hervor, was seine Talente sind.

9. Sei aufrichtig zu deinem Kind

Fehler macht jeder und Schmerz und Kummer gehören zum Leben dazu. Auch dein Kind muss das lernen und wird es früher oder später am eigenen Leib erfahren. Es ist wichtig, dass deinem Kind klar ist, dass es nicht alleine ist und dass jeder Mensch diese Erfahrungen erlebt. Rede also offen mit deinem Kind über seine Probleme und erkläre ihm, dass Sorgen und Kummer auch wieder vergehen. Nur so können Kinder ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln.

10. Biete Lösungen an

Wenn sich dein Kind öffnet und zum Beispiel erzählt, dass es in der Schule gemobbt wird oder dem Leistungsdruck nicht standhalten kann, ist es wichtig, zu signalisieren, dass es nicht alleine ist. Beruhige dein Kind, indem du versprichst, eine Lösung zu finden und bemühe dich darum, das Problem aus der Welt zu schaffen. So kann beispielsweise ein Gespräch mit den Eltern des anderen Kindes oder dem Lehrer helfen, einen Konflikt zu lösen. Du kannst deinem Kind auch anbieten, die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch zu nehmen, wenn du das Gefühl hast, alleine zu keiner Lösung zu kommen.