Uni Jena: „Eine seriöse Hypnoseforschung etablieren“

//Uni Jena: „Eine seriöse Hypnoseforschung etablieren“

Hypnose unterstützt Menschen dabei, das Rauchen aufzugeben, besseren Schlaf zu finden und sogar Zahnarztbesuche schmerzfrei zu überstehen. Doch wie funktioniert Hypnose eigentlich und was geschieht im Gehirn einer Person, während sie hypnotisiert ist? Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena gehen dieser Frage mit Unterstützung von Kollegen der Universität Trier derzeit in einem Projekt nach, das mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft durchgeführt wird. Die Ergebnisse präsentierten Sie nun erstmals in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Scientific Reports“ vom 7. Juli 2017. (Auch an der Stanford University wird derzeit die Wirkung der Hypnose in Studien untersucht. Einen Artikel zur dortigen Forschung unter der Leitung von Dr. David Spiegel findet sich hier.)

Wie entstehen hypnotische Trance-Zustände im Gehirn?

„Wir untersuchen im Rahmen unseres Projekts, wie das Gehirn hypnotische Zustände ermöglicht“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Miltner, der sich bereits seit Jahrzehnten mit dem Phänomen beschäftigt. „Aktuell haben wir dabei die Verarbeitung visueller Reize genauer unter die Lupe genommen.“ Ähnlich der Forschergruppe der Stanford School of Medicine um Dr. David Spiegel (siehe unseren Blogbeitrag „Stanford-Studie zur Wirkung von Hypnose auf das Gehirn“) unterteilten die Wissenschaftler die Probanden in drei Gruppen: Personen die sehr suggestibel sind, auf Hypnose also sehr gut ansprechen, sowie Personen, die weniger gut bis gar nicht für Hypnose empfänglich sind. „Wir ließen sie hypnotisiert auf einen Bildschirm schauen, auf dem wir verschiedene Symbole zeigten, beispielsweise ein Kreis oder ein Dreieck“, erklärt Dr. Barbara Schmidt, die den Versuch geleitet hat. „Die Testpersonen bekamen dabei die Aufgabe, ein bestimmtes Symbol zu zählen, sich also darauf besonders darauf zu konzentrieren. Gleichzeitig sollten sie sich ein Brett vor ihren Augen vorstellen. Durch die suggerierte Sichtbehinderung stieg die Anzahl der Zählfehler erheblich.“ Die Effekte waren in allen drei Testgruppen zu beobachten, am stärksten ausgeprägt jedoch bei den besonders suggestiblen, also gut hypnotisierbaren, Probanden.

Hypnose-Forschung: Probandin im Laborversuch am EEG.

Foto: Uni Jena | Jan-Peter Kasper

Die Testpersonen waren während des Versuchs an ein Elektroenzephalogramm (EEG) angeschlossen, um die Hirnaktivitäten beobachten zu können. „Betrachten wir die dabei entstandenen neuronalen Vorgänge des Gehirns bei der Verarbeitung der Symbole, dann erkennen wir etwa 400 Millisekunden, nachdem die Probanden das besonders zu beachtende Symbol gesehen haben, eine extrem reduzierte Hirnaktivität, obwohl sie normalerweise sehr hoch sein müsste“, erklärt Schmidt.

„Kurze Zeit vorher – bis 200 Millisekunden nach der Präsentation des Reizes – zeigen sich jedoch keine Auffälligkeiten.“ In der Interpretation der Forscher finde die einfache Wahrnehmung damit noch statt, tiefere Verarbeitungsprozesse hingegen, wie etwa das Zählen, seien stark beeinträchtigt. Die Psychologen der Universität Jena haben auf diesem Weg herausgefunden, wie Hypnose die speziellen Regionen im Gehirn bei der Aufnahme visueller Reize beeinflusst.

Eine seriöse Hypnoseforschung etablieren

Weitere Untersuchungen sollen in den kommenden Jahren folgen. Die Jenaer Forscher wollen sich dabei zum einen auf die veränderte Verarbeitung akustischer Reize und zum anderen die Schmerzlinderung durch Hypnose fokussieren. „Bis in die 1920er Jahre hinein gehörte Hypnose durchaus zur medizinischen Ausbildung und auch heute wird sie wieder in der Anästhesie eingesetzt“, berichtet Miltner. „Allerdings gibt es kaum wissenschaftliche Forschungen dazu, warum Hypnose wie ein Narkosemittel wirkt.“ Nach Ansicht des Forschers gebe es leider zu viele esoterische Spekulationen zu diesem Thema, wodurch sich die Wissenschaft auf dem Gebiet häufig mit Skepsis konfrontiert sehe. „Wir müssen nicht mehr zeigen, dass Hypnose wirksam ist, denn das ist bewiesen. Es gilt vor allem herauszufinden, warum und wie solche merkwürdigen Wahrnehmungsveränderungen bei hypnotisierten Menschen möglich sind“, sagt Miltner. „So wollen wir eine seriöse Hypnoseforschung etablieren.“

Original-Publikation:
Schmidt B. et al. The Power of mind: Blocking visual perception by hypnosis. Scientific Reports (2017), 7: 4889, DOI:10.1038/s41598-017-05195-2; www.nature.com/articles/s41598-017-05195-2

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang H. R. Miltner, Dr. Barbara Schmidt
Institut für Psychologie der Universität Jena
Am Steiger 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945140
E-Mail: [email protected], [email protected]e

Von | 2017-09-19T16:16:28+00:00 23. Juli 2017|Kategorien: Forschung|Tags: , , |1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Birgit Tannhäuser 19/09/2017 um 14:42 Uhr - Antworten

    Es wäre schön, wenn Hypnose etabliert würde. Noch gibt es leider zu wenig Informationen, die die Öffentlichkeit ansprechen. Hypnose kann vielfältig eingesetzt werden und das Unterbewußtsein positiv stimmulieren.

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