Stanford-Studie zur Wirkung von Hypnose auf das Gehirn

//Stanford-Studie zur Wirkung von Hypnose auf das Gehirn

Forscher der Stanford University School of Medicine haben vor kurzem (Juli 2016) die Wirkung von Hypnose mithilfe von Gehirn-Scans im fMRT untersucht. Ziel der Studie war es, herauszufinden, ob und wie sich der Trance-Zustand und die Hypnose auf unterschiedliche Areale des Gehirns auswirken, wie in einer Pressemitteilung des Stanford Medicine News Center zu erfahren war.

„Jetzt, wo wir wissen, welche Gehirnregionen beteiligt sind, können wir dieses Wissen eventuell dafür einsetzen, um die Hypnotisierbarkeit von Personen und die Effektivität von Hypnose für Anwendungen wie den Umgang mit chronischen Schmerzen zu verbessern“, sagt Dr. David Spiegel, Direktor des Center on Stress and Health sowie medizinischer Leiter des Zentrums für integrale Medizin an der Stanford University School of Medicine.

„Hypnose ist die älteste westliche Form der Psychotherapie. Leider führt sie in der Medizin ein Schattendasein, da ihr aufgrund schwingender Pendel und der Show-Hypnose ein mysteriöser Ruf anhaftet. Dabei ist die Hypnose ein sehr effektives Mittel, um den Umgang mit unserer Wahrnehmung und unserem Körper zu verändern“, führte Spiegel fort.

Trotz des wachsenden Bewusstseins um das klinische Potential der Hypnose ist aber noch sehr wenig bekannt darüber, welche physiologischen Veränderungen sie letztendlich bewirkt. Zwar wurden bereits Untersuchungen über die Auswirkungen von Hypnose auf das Schmerzempfinden, die Sehkraft und andere Sinneswahrnehmungen durchgeführt, Studien über die Vorgänge im Gehirn während einer Hypnose-Sitzung an sich hatte es bis jetzt aber noch nicht gegeben.

Die Hirnaktivität im Trance-Zustand

Die Forscher-Gruppe des Universitätsklinikums stellte für diese neue Studie zunächst eine passende Gruppe von Probanden zusammen. Aus 545 gesunden Teilnehmern wurden 36 ausgewählt, die besonders gut hypnotisierbar sind sowie 21 Kontrollprobanden, die bei der Hypnotisierbarkeit regelmäßig schlecht abschnitten. Die restlichen Teilnehmer befanden sich allesamt im durchschnittlichen Spektrum und wurden daher nicht berücksichtigt.

„Es war wichtig, diesen Kontrast herzustellen, andernfalls hätten wir nicht wissen können, ob die Hirnaktivitäten der besonders gut hypnotisierbaren Probanden auch wirklich auf die Hypnose zurückzuführen sind oder ob es sich um andere Einflüsse handelt.“
Die 57 Teilnehmer wurden im Verlauf von Hypnosesitzungen mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (kurz fMRT) untersucht. Dabei identifizierte das Forscher-Team drei Hirnregionen, die unter dem Einfluss von Hypnose besonders starke Veränderungen aufwiesen. Bei der ausgewählten Kontrollgruppe traten diese Veränderungen hingegen nicht auf.

Zunächst stellte man einen Rückgang der Hirnaktivität im dorsalen Teil des anterioren cingulären Cortex (ACC) fest, einer Region des Gehirns, die u. a. an der Erkennung von Objekten und Personen und der selektiven Aufmerksamkeit beteiligt ist. „Während der hypnotischen Trance ist Ihr Gehirn so beschäftigt, dass Sie sich um nichts anderes Gedanken machen“, so Spiegel.

Außerdem stellten die Forscher eine Zunahme der Verbindungen zwischen zwei weiteren Hirnarealen fest – dem dorsolateralen präfrontalen Cortex und dem Cortex insularis. Spiegel beschreibt diese Verbindung als Schnittstelle zwischen Gehirn und Körper, die es dem Gehirn erlaubt, die Vorgänge im Körper besser zu verarbeiten.

Die dritte Auffälligkeit war ein Rückgang der Verbindungen zwischen dem dorsolateralen präfrontalen Cortex und dem Ruhezustandsnetzwerk – einer Gruppe von Gehirnregionen, die, wie der Name vermuten lässt, im Ruhezustand aktiv werden, d. h. wenn wir z. B. tagträumen oder Zukunftspläne schmieden. Dieser Verbindungsrückgang, so Spiegel, deutet darauf hin, dass unsere Handlungen von unserem Bewusstsein entkoppelt werden. „Wenn Sie wirklich in etwas vertieft sind, dann denken Sie nicht darüber nach – Sie tun es einfach“, sagt Spiegel.
Während der Hypnose erlaubt genau diese Trennung von Handlung und Reflexion es einer Person, sich auf die Suggestionen eines Hypnotiseurs oder Therapeuten sowie auch auf Auto-Suggestionen einzulassen, ohne dass das Gehirn Ressourcen dafür aufwendet, diese Aktivitäten zu bewerten.

Therapie gegen chronische Schmerzen und Angstzustände – ohne Tabletten

Bei gut hypnotisierbaren Patienten kann Hypnose sogar dafür eingesetzt werden, chronische Schmerzen zu lindern. Sie hilft bei Geburtsschmerzen und medizinischen Eingriffen; Nikotinentwöhnung und posttraumatische Stress-Symptome können mithilfe von Hypnose therapiert und auch Phobien und Ängste gemindert werden. Die Ergebnisse der Studie können dazu beitragen, neue Therapien für den Rest der Bevölkerung zu entwickeln – auch für die schwer hypnotisierbaren.

„Wir finden den Gedanken spannend, die Hypnotisierbarkeit bestimmter Personen mithilfe von Hirnstimulation verbessern zu können“, sagt Spiegel.

Eine kombinierte Therapieform aus Hirnstimulation und Hypnose könnte irgendwann dabei helfen, die schmerzstillende Wirkung von Hypnose zu verbessern. Eventuell könnte sie in Zukunft sogar dazu beitragen, dass Schmerzmittel und Medikamente gegen Angstzustände, mit all ihren Nebenwirkungen und Suchtrisiken, komplett vermieden werden können. Bis dahin bedarf es aber noch einiger weiterer Forschungen und Ergebnisse.

Die Studie wurde von Heidi Jiang, einer ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Stanford University School of Medicine, durchgeführt. Dr. David Spiegel betreute die Studie als Senior-Author, weitere Co-Autoren waren Matthew White, Assistenzprofessor für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften, sowie Michael Greicius, Associate Professor der Neurologie.

Quelle: Artikel im Stanford Medicine News Center vom 28. Juli 2016

Von | 2017-07-20T11:06:23+00:00 5. Juli 2017|Kategorien: Forschung|Tags: , |2 Kommentare

2 Kommentare

  1. Erwin Ginty 16/10/2017 um 18:19 Uhr - Antworten

    Sehr informativer Beitrag! Vielen Dank fürs teilen!

    • Jan 16/10/2017 um 18:38 Uhr - Antworten

      Gerne und vielen Dank für das Feedback!

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